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Die Katharinenkirche zu Thuisbrunn

Aus der Geschichte der Pfarrei Thuisbrunn.
Der Ort, in dem die Katharinenkirche steht, ist früher in den Urkunden erwähnt als die freie Reichstadt Nürnberg: 1007 wird „tuosibruno“ von König Heinrich II (ab 1014 Kaiser) zusammen mit dem Königshof Forchheim und dreizehn weiteren Dörfern dem neu gegründeten Bistum Bamberg „auf alle Zeiten“ geschenkt.

Die erste Kirche, die der Hl. Katharina geweiht war, wurde als Schloßkapelle unterhalb der Burg, im heutigen „Alten Friedhof“ in den Felsen hinein gebaut. Das Patronat wurde vom Nürnberger Burggrafen im Jahr 1300 dem Stift Spalt übertragen. Bis zum Jahr 1431 wurde die Kirche mehr schlecht als recht vom Gräfenberger Vikar betreut.

Weil die Thuisbrunner aufgrund von Mißständen schon im 15. Jahrhundert auf einen eigenen Pfarrer pochten, wurde die Schloßkapelle 1460 zur Pfarrkirche (ecclesia parochialis) mit eigenem Pfarrer erhoben. Dazu gehörten schon damals die Orte Neusles, Höfles, Hohenschwärz, Hammer und Dörnhof. Haidhof kam Anfang des 16. Jahrhunderts dazu.

Wegen großer Feuchtigkeit und Kälte wird die Kirche nach längerer Zeit baufällig. In den Jahren 1670/71 wird geklagt, daß „weder im Winter noch im Sommer die Zuhörer vor Regen und Schnee bleiben“ können und „Am Sonntag Lätare hat der Pfarrer 'vor trüpf' nicht auf der Kanzel bleiben können und auch nicht am Altar bei der Austeilung des Abendmahles“. So wird im Fränkischen Ober- und Unterland eine Kollekte erhoben und damit ein neues, größeres Langhaus der Kirche sowie ein Kirchturm neu erbaut. Dieser stürzt ein Jahr später ein. Neu aufgebaut wird 1831 das Läuten der Glocken wegen Baufälligkeit verboten. In den folgenden Jahren wird ein Teil des Turmes abgetragen, einige Jahre später das Notdach vom Sturm weggefegt.

Der ansbachische Kanzleiinspektor berichtet: Die Kirche „ist alt, schmutzig und... beständig feucht, ungesund und im Winter, da die Wände beinahe mit Eis überzogen sind, haben die Bewohner sehr viel von der Kälte auszustehen“.

So erreicht man nach langen Verhandlungen mit dem Staat wegen der Baupflicht schließlich, daß 1855 der Grundstein für einen neuen Kirchenbau auf dem heutigen Platz am Weg nach Hohenschwärz gelegt werden kann. Dem im 19. Jahrhundert neu erwachten Nationalgefühl ensprechend wird die Kirche durch Baumeister Horneber in Erinnerung an die großen Dome der Gotik geräumig und mit den typischen Spitzbögen im Stil der Neugotik errichtet.

Leider geht bei der Abtragung der alten Kirche u.a. das Bild der heiligen Katharina verloren. Der Neubau wird zunächst ohne besonderen Namen schlicht als „Pfarrkirche zu Thuisbrunn“ bezeichnet. Erst im Jahr 1982 wird der Name „Katharinenkirche“ auf Beschluß der Gemeinde wieder aufgenommen.

Das Altarbild von 1895 mit dem auferstehenden Christus spiegelt ebenfalls den Optimismus und die Aufbruchstimmung des 19. Jahrhunderts aufgrund der zunehmenden Beherrschung der Natur, durch Erfindungen, neue Verkehrsmittel und den Stolz des Industriezeitalters.
Aus der Vorgängerkirche wurde der aus Sandstein gefertigte Taufstein vom Beginn des 18. Jahrhunderts sowie das eindrucksvolle Vortragekreuz von 1711 übernommen. Auch die Moseskanzel stammt aus der alten Kirche. Sie wurde aber zunächst in Nebenräumen aufbewahrt und erst 1930 durch Pfarrer Riedel am heutigen Platz aufgestellt.
 

Die Thuisbrunner Moseskanzel wurde 1717 vom damaligen Pfarrer Christoph Wilhelm Buchta in Auftrag gegeben. Ausführender Bildhauer war Johann Philipp Göbel aus Erlangen.

„Moses, der Empfänger und Träger der Gesetzestafeln, symbolisiert den Wunsch der geängsteten und geplagten Menschen nach Ruhe und Harmonie durch das Gesetz und ist zugleich der Träger der Kanzel, von der aus das Wort Gottes verkündet wird.“

Im Gegensatz zu den üblichen Darstellungen, bei denen Moses einen Stab trägt, weist der Prohet in der Thuisbrunner Pfarrkirche mit der rechten Hand nach oben auf den auf der Kanzelbrüstung stehenden Christus mit der Weltkugel, der von den vier Evangelisten mit ihren Symbolen umgeben ist. Vom Beschauer aus zur Linken ist Lukas mit dem Stier, Johannes mit dem Adler, zur Rechten Markus mit dem Löwen und Matthäus mit dem Engel zu sehen. Christus seinerseits hebt seine Rechte in die Höhe und zeigt damit hinauf zum Himmel, zu seinem Vater und zum Heiligen Geist.

Der Gesamtaufbau dokumentiert den Inhalt einer rechten Verkündigung, die auf dem Gesetz Gottes beruht (das der Träger der Kanzel, Moses, in seiner linken Hand hält) und das durch das Evangelium des Weltheilandes Jesu Christi gleichsam überhöht und vollendet wird.

Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt die Kirche durch die letzte Restaurierung von 1992.

Text: Pfrin. Maria Reichel/ Pfr. Karl Buck