1000 Jahre zwischen Buchdeckel gepresst
Jubiläumsfeier in Thuisbrunn begann mit Dia-Schau und Vorstellung der Chronik
THUISBRUNN — 1000 Jahre waren da wie ein Tag: Als einer von 14 Orten des ehemaligen Königshofes Forchheim feierte Thuisbrunn mit einer multimedialen Auftaktveranstaltung im „Seitz’n-Saal“ seine Einverleibung in das 1007 von Heinrich II. neu gegründete Bistum Bamberg, seine erste urkundliche Erwähnung.
Die an diesem Abend druckfrisch präsentierte Chronik „1000 Jahre Thuisbrunn” verrät freilich auch, dass der Gräfenberger Ortsteil tatsächlich viel älter ist, denn im so genannten Büttnerloch in der Ortsmitte wurde 1929 eine fast 9000 Jahre alte Frauenleiche gefunden.
Die großen Tuosibruno-Rückscha eröffnete der seit fast 100 Jahren bestehende Posaunenchor unter Robert Kretz. Dann flimmerte eine Non-Stop-Dia-Show über die Bühnenleinwand, während Gräfenbergs Bürgermeister Werner Wolf und „Mühlfritz” Meier, der letzte Bürgermeister der bis zur Gebietsreform 1978 politisch selbstständigen Gemeinde, im Duett die Gäste begrüßten. Als Showmaster führte der Erlanger Schulamtsdirektor Rolf Steidel, Sohn des einstigen Thuisbrunner Schulleiters Rudolf Steidel, durchs Programm.
„Kleine Welt im Jurastein — karg und zugleich reich” beginnt der nach diversen Grußworten uraufgeführte Thuisbrunn-Hymnus. Mit vereinter Inbrunst intonierten ihn der Kirchenchor und der Männergesangverein „Liederhort” unter seinem Chorleiter, Textdichter und Komponisten Wolfgang Junga. „Dies ist nicht ein Ort der Rosen,/doch ist’s schön an dieser Stelle,/wo wir hör’n des Wassers Tosen...” heißt es weiter im Text.
Dass es hier nicht immer nur schön war, zeigte der anschließende Vortrag von Hans Schaub über „Auswanderungen im Forchheimer Land”, seinem Dissertationsthema. Hunger und pure wirtschaftliche Not herrschten im 19. Jahrhundert besonders auf den kleinen Höfen der Fränkischen Schweiz und trieben zwischen 1850 und 1880 rund 55000 Oberfranken nach Amerika. In der neuen Thuisbrunner Chronik, die Heinz Hofmann anschließend vorstellte, wird das Schicksal einiger Auswanderer-Familien nachgezeichnet.
Historie auf 240 Seiten
Mit Fleiß und Akribie und vielen kundigen Helfern hat das Redaktionsteam (neben Hofmann gehören Fritz Meier, Christel und Willi Hardeck dazu) auf 240 Seiten eine Fülle von Fakten, Geschichten und Bildern zur Thuisbrunner Lokalhistorie zusammengetragen. Das Herzstück bilden die Arbeiten von Pfarrer Karl Buck zur Pfarrgeschichte. Als Geburtshelfer wurden Alexander Schütz (Layout) und Manfred Meier (Druck) bedankt. Und man erfährt manches Überraschende: Zum Beispiel dass es hier eine intensive Eisenerzschürfung gegeben hat und die Thuisbrunner mal preußische Staatsbürger waren.
Über die 10000-jährige Vorgeschichte von der Zeit der Neandertaler über Stein- und Bronzezeit und die keltischen Wanderbewegungen bis zum frühen Mittelalter berichtet Kreis-Archäologin Ermelinde Spoletschnik, über die Funde der mittleren Steinzeit aus kleinknolligem Jurahornstein Armin Tomschke. Den drei Thuisbrunner Höhlen, ihren Funden und Befunden geht Norbert Graf auf den Grund. Fritz Meier und Peter Rau haben mühevoll Urkunden und andere historische Dokumente ausgewertet. Berichtet wird über die Geschichte der Burg, über Machtkämpfe zwischen Bischhöfen und Markgrafen, zwischen Ansbach, Bayreuth, Nürnberg und Bamberg, über Häuser und Höfe, das bäuerliche Leben und über die „sagenhafte” Landschaft.
Urheber- und Quellenvermerk:"Verfasser/Nürnberger Nachrichten" |